Gerade sitze ich in Pimentel am Meer, 15km weg von Chiclayo. Ich brauchte heute etwas Ruhe, denn da ich Chiclayo morgen verlasse, und gestern nach einem langen Ausflugstag erst Weiterfahrt und nächste Übernachtungen buchen konnte, war das gestern ein sehr voller Tag.
Ich kam gerade rechtzeitig zum Strand, als die Fischer mit ihren traditionellen Booten aus Schilf zurückgekommen sind. Ein großartiges Bild, flankiert von Pelikanen, die auf Abfälle warten, kamen die Boote an Land.
Aber der Reihe nach. Als erstes möchte ich gern ein paar essentials darstellen. Mein erstes Hotelzimmer war ein Palast, fast so groß wie meine halbe Wohnung. Mit allen Annehmlichkeiten wie Wasserkocher, Tee und Kaffeebeuteln, Minibar, Safe , Tischlampe mit USB-Anschlüssen, vielen weiteren Lichtern und Bettlampen, und natürlich Föhn. Das Bad war zwar schon etwas abgewohnt, dafür aber top sauber. Alles top sauber, auch im Frühstücksraum, und auf dem Buffet gab es alles, was ein international reiseerfahrener Mensch wie ich gern zum Frühstück hat, inclusive lokaler Früchte. Preis für zwei Nächte, aus Deutschland über meinen Dieter und Veranstalter gebucht, 118,00 Euro. Viele Gäste im Haus, da auch Konferenzzentrum, daher teilweise ziemlich laut. Aber ich hatte ein Zimmer direkt beim Lift und Treppenaufgang bekommen. Wie übrigens auch in München am Airporthotel.
Nun bin ich aber gestern in ein anderes Hotel umgezogen, da ich bei der Erstplanung schon absehen konnte, dass ich länger bleiben möchte, weil es hier viel zu sehen gibt. Gebucht noch von Zuhause über das Internetz und 30 Euro billiger. Nach meinem langen Ausflugstag habe ich dann erst mein Gepäck aus der Aufbewahrung im vorherigen Hotel abgeholt und habe dann erst im nächsten Hotel eingecheckt. Im ersten Moment eine nicht so angenehme Überraschung. Das Licht ist wie im Kühlhaus, es gibt EINE Deckenleuchte. Das Zimmer ein Drittel so groß wie das Vorherige. Aaaaber: ein niegelnagelneues modernes Bad, blitzsauber, wunderbarer Fliesenboden überall und jetzt kommts: kurze Wege😂 vom Schrank zum Bett zum Bad verliere ich hier keine Zeit mehr, das war vorher anders.. und Ihr wißt ja: was frau nicht im Kopf hat, hat sie in den Füßen…Also kurz: der Standard zwar etwas niedriger, aber absolut ok. So auch das Frühstücksbuffet. Und ratet mal, wo das Zimmer gelegen ist? Richtig, bei Lift und Treppenaufgang.
Der Ausflugstag gestern begann an der Agentur SIPAN Travels mit dem verspäteten Eintreffen des Tourguides um eine halbe Stunde. Eigentlich dachte ich, dass die beiden anderen Mitreisenden dort ebenfalls einsteigen, doch mussten wir sie erst noch abholen. Eine weitere halbe Stunde, die uns dann in Summe für das letzte Museum eine rechte Hatz eingebrockt hat. Aber jedenfalls sind die Leute von der Agentur (Sohn und Mutter) superlieb, der Sohn Enrique hat mir vorgestern noch dabei geholfen, eine Prepaid Simkarte zu kaufen, da er sehr gut Englisch spricht und dies ohne Spanischkenntnisse ein schier aussichtsloses Unterfangen ist. Der Tourguide hat ein grandioses Wissen über seine Kultur und spricht ein recht gutes Englisch. Dann waren noch die beiden anderen Gäste, ein Paar aus Island Anfang sechzig, mit denen ich mich wunderbar austauschen konnte. Die waren schon redlich fertig, denn sie haben die große PeruRundtour in 15 Tagen gemacht und konnten kaum noch etwas aufnehmen.
Zuerst ging es ins Museum Sican nach Ferreñafe. Ein futuristische Museum über die Pyramidenfunde im nahegelegenen Nationalpark, in dem verstreut 20-30m hohe Stufenpyramiden liegen. Entstehungszeit um 1000 bis ca 1300 nach Christus.Dann ging es weiter nach Tucume, ins Tal der Pyramiden. Die Ausgrabungen dort leitete Thor Heyerdahl, der Name ist bei uns durchaus bekannt. Dort wurden insgesamt 26 stark verwitterte, doch noch in der Form gut erkennbare Stufenpyramiden gefunden. Vom Aussichtsplatz auf dem heiligen Berg, auf dem früher Menschen geopfert wurden, kann man die Ausmaße der Stadt überschauen…ein Foto von mir da oben drauf stelle ich noch ein. Zum Schluß dann das Highlight für mich, welches viel zu kurz kam, nämlich das Museo Tumbes Reales des Sipa. Peru hat 5 Mio. USDollar in den modernen, an Moche-Pyramiden orientierten Neubau investiert. Auf 3 Stockwerken wird die Moche-Kultur gezeigt, z.T massiv goldene Funde um den ‚Herrn von Sipan‘, einen der größten Herrscher seiner Zeit. Es handelt sich meist um Originale, und das Kuriose ist, dass die Goldsachen, also Schmuck, Alltagsgegenstände wie Becher, oder auch Kronen, tw. von Grabräubern in UsA verkauft werden sollten und man dort erkannte, dass dies Gegenstände aus den Gräbern der Moche sein mussten. Man konnte sie nach Peru zurückführen. Daß die Gegenstände überhaupt erst in den 1980er Jahren geraubt werden konnten, hat mit El Niño, dem Regen zu tun. Der hielt nämlich in dieser Zeit verhältnismässig lange an, wodurch die Materialien der Pyramiden ausgewaschen wurden und sich die Gräber quasi plötzlich teilweise öffneten und das Gold nur so nach oben spülte.
Diese Gegenstände sind wunderschön , wahnsinnig wertvoll (bis zu 24 Karat) und in den Museen hier zu bewundern. Dazu muss man sagen, dass die Museen ganz klasse aufbereitet sind. Wir haben 8 Soles pro Eintritt bezahlt, also nix für das, was hier geboten wird. Solltet Ihr je nach Peru reisen, lasst bitte den Norden nicht links liegen (im wahrsten Sinne der Geographie-;) Die Menschen, die hier nach wie vor in ähnlichen Häusern leben, wie ihre Vorvorvorfahren, sind sich ihres kulturellen Erbes hoch bewusst und haben Unterstützung verdient. Ich wünsche Ihnen aber, dass Ihnen der Massentourismus erspart bleibt.
Die 26 Pyramiden hat man erst angefangen, zu eröffnen, die erste hat 7 Level und man hat bisher in 5 Leveln Gräber gefunden. Und es ist erst der Anfang.
Das war alles gestern.Jetzt sitze ich schreibend am Strand, nachdem ich meine erste Ceviche gegessen habe. Das ist DAS peruanische Nationalessen aus in Limettensaft mariniertem rohen Fisch. Es gibt es in vielen Variationen mit vielen verschiedenen Arten von Fisch oder gleich als Mix, den ich heute bestellt hatte. Ich hab sogar Tentakeln des Minicalamar gegessen, was mir bisher noch niemand abringen konnte.
Am Strand selbst ist es recht windig, daher gibt es hohe Wellen und es sind einige Wellenreiter unterwegs… huuu, bestimmt kalt im Wasser. Generell haben wir in Chiclayo ca 24°C, aber im Wind am Strand ist es kühler, gefühlt vielleicht 18. Am Strand gibt es wenige ansprechende Cafes, das haben die hier leider nicht so raus. Und überall läuft lokale Musik aus recht lauten Lautsprechern… aber es hat was, das Lebensgefühl mit dieser Musik ist ein Schönes! Die Musik gibt es auch im Taxi, im Collectivo, beim Frühstück, im Restaurant.. mal lauter, mal leiser. Der Strand wäre für unseren Geschmack weniger einladend, obwohl weit und lang, recht leer; aber halt nicht nach europäischen Maßstäben aufgeräumt. Stört mich das????
Alora, heute Abend wieder packen und morgen geht es mit dem Linien-Reisebus nach Cajamarca, dort bleibe ich 2 Nächte. Danach weiter, wieder mit Bus im VIP Liegesessel für 12 Euro in den Süden nach Trujillo. Am 30.10. muss ich in Lima sein. Da wir von über 500 km zwischen Trujillo und Lima sprechen, habe ich mir bei Enrique einen Flug gebucht, Kostenpunkt 75 Euro. Die Preise schreibe ich Euch dazu, damit Ihr eine Vorstellung habt, was man hier benötigt.
Die allermeisten Bilder von gestern sind auf dem Fotoapparat, noch habe ich keine Idee/Gelegenheit, wie ich die hier in den Blog bekomme, dazu brauche ich irgendwo mal einen PC. Das wird sich finden, ich hoffe, ich kann sie dann noch einigermaßen zuordnen.
So, nun bin ich auch längst vom Strand und auch vom Abendessen zurück, für 11 Sohlen habe ich einen halben Liter Mineralwasser sowie ein Hähnchengericht mit Yamswurzel bekommen…das war lecker! Vorher war ich noch schnell bei Sipan Tours, um meinen Flug nach Lima zu buchen.
Morgen früh um 09:30 geht es ab zum Busbahnhof. Ich melde mich wieder. Lasst es Euch gut gehen.
@Sib: alles Liebe zum Geburtstag😘
PS: Dies habe ich heute tagsüber und abends alles zusammengeschrieben, ich fürchte, es ist eine etwas wilde Aufreihung. Aber jetzt ist der Text schon wieder so lang geworden, das ich das nicht mehr redigieren mag.


Strandabschnitt Pimentel 
Fischerboote aus Schilf 
Wasser und Inka Cola 
Ceviche
