Nachdem ich vorgestern von Chiclayo im Bus nach Cajamarca gefahren bin, sitze ich heute wieder im Bus, weiter runter in den Süden nach Trujillo. Die Busse sind angenehme, richtige Reisebusse, für die man Sitze in unterschiedlichen Klassen buchen kann. Heute sitze ich für eine Strecke von ca 300 km voraussichtlich 7h im Bus – und fahre als VIP für 12,– Euro im Businessclass-Sitz mit allen Annehmlichkeiten: Fuß- und Wadenstützen/Auflagen, 160 Grad verstellbare Rückenlehne, Bordservice mit Essen (Hnmmm, lecker Spaghetti mit Salsa Verde und gebratenem Hühnchen), USB Steckern und – wie immer und überall, leider – Fernseher bzw. ausgewählte Hollywoodfilme im Bus. Das Programm wird für alle gespielt und alle müssen es, anders als im Flieger, wo man die Wahl hat, ob man zuschauen und -hören will oder nicht, ertragen. Heute ist es etwas leiser als vorgestern, da war ja auch nur noch Standardsitz ohne großen Service buchbar für mich. Das kommt davon, wenn man sich erst kurzfristig entscheidet. Aber es gibt ja Ohrenstöpsel, die sind sowieso meine besten Freundinnen!
Die Fahrt geht überwiegend über Land, natürlich. Schließlich bin ich in die Berge gefahren, auf 2750m. Als ich vorgestern nach Ankunft und einem Abendessen zur Unterkunft zurückgegangen bin, ging es stramm bergauf, denn Cajamarca liegt am Berg. Zunächst habe ich mich gewundert, warum ich plötzlich so außer Atem bin und das Herz schlägt wie wild..Nunja, von der Plaza mit den Restaurants bis zurück zum Hotelchen waren es ca schlappe 200 hm, was ich natürlich vorher null realisiert hatte. Wenn Du also 400m unterhalb der Zugspitze bist, und dort noch 200 hm ansteigen musst, wird das in Deinem normalen Gehtempo schnell etwas zuviel für den kleinen Organismus, der fast den ganzen Tag saß und dann von null auf hundert hochgeschraubt wird.
Die Landschaft, sofern man sie aus den abgedunkelten Busfenstern sehen kann, ist schon mal grandios. Die Ebene, bei Chiclayo fast wüstenhaft, verwandelt sich bald in grüner werdendes Gebiet und nach 2 Stunden geht die Fahrt entlang an Reisfeldern rein in die Berge. Es tauchen Flüsse auf und wer den Sylvensteinspeicher kennt und die Strecke entlang der Isar von Bad Tölz hoch zum Sylvensteinspeicher, hat eine Vorstellung von der Landschaft. Nur weiter und höher. Jetzt, auf der Rückfahrt, säumen zusätzlich Kakteen und Maisfelder die Strecke.
Die Straße führt, wie gesagt, über Land, es gibt viele Stellen mit Bauarbeiten, denn die Straße ist nicht durchgehend befestigt. Man kommt schleppend und holprig voran, Executiveclass ist hier für das Kreuz eine gute Wahl.
In Cajamarca habe ich gestern das volle Touriprogramm absolviert. Morgens habe ich den wichtigsten Ort in ganz Peru besucht. Wer dachte, dies sei der Machu Picchu, liegt falsch. In Cajamarca hat der spanische Invasor Francisco Pizzarro den letzten Herrscher der Inkas getötet. Die Geschichte besagt, dass Pizzarro den Inka Athuahalpa zunächst festgenommen hatte, der aber glaubte, Pizzarro würde ihn freilassen nachdem er ihm einen Raum bis oben an die Decke mit Gold gefüllt hätte. Leider beging er den Fehler, die Bibel, die ihm ein Priester gereicht hatte, während er festsaß, auf den Boden zu schmeißen und draufzutreten. Das war sein Todesurteil, denn natürlich erwarteten die Spanier, dass der Inkaherrscher zum katholischen Glauben übertreten soll. Den Raum, der bis zu einer heute angezigten Markierung mit Gold gefüllt war, war auch die Todesstätte. Diese kann man heute, neben dazugehörigen Museen, besichtigen. Nach Athahulpas Tod müssen wohl einige Inka mit den Spaniern gemeinsame Sache gemacht haben, jedenfalls wurde A.’s Bruder durch die Spanier zum nächsten Inkakönig ernannt..doch auf dem schon bald startenden Marsch nach Cuzco starb er und das Inkareich erlebte seinen Niedergang. Wir sprechen vom Jahr 1533 nach Christus. Die Inkakultur war die letzte der 3 Hochkulturen seit vor Geburt Christi in Peru.
Am Nachmittag habe ich dann an einer geführten Tour zu den Steingräbern nach Otuzco teilgenommen. Hier wurden die oberen Zehntausend in Fötusstellung begraben, man fand auch Keramikgegenstände, die die Toten begleiten sollten ins nächste Leben. Diese Steingräber hat man in weiteren Gegenden in Peru gefunden, aber es gab sie auch in Asien und Europa, laut Guide…war mir neu.
Ich musste mich entscheiden, denn eigentlich benötigt man auch hier mindestens 3 volle Tage, um alles Interessante in der Gegend ansehen zu können. So auch z.B. die Thermalquellen, dort kann man auch heute noch zum Baden gehen, oder nach El Cumbe Mayo, einem großen Ausgrabungsareal.
Wir wurden zunächst zu einer Käserei gefahren, die nach Schweizer Vorbild käsen… aber nicht nach europäischen Hygienestandards 🙂 und draußen direkt vor der Käserei stand die Milch… also die Kühe.. das Farmgebiet erstreckt sich, wenn ich es richtig verstanden habe, über 70 ha Land.
Danach gings zu einem Hortensienfeld, die Blütenköpfe doppelt so groß wie ein Kopf, die Stielhöhe mannshoch… dazwischen ein paar Calla und andere schöne Blüten.. beeindruckend.
Im Tourbus hatte ich nach 5 Minuten bereits angeregte Gespräche mit einer jungen Familie aus Lima. Der kleine 5jährige Sohn hatte an meinem Sitz rumgespielt und die Eltern haben ihn zurückgepfiffen, ganz liebevoll. Und der Kleine war so süß, was ich den Eltern signalisieren wollte. Da schickte die Mutter die 13-jährige Sophia ins Rennen, die für ihr Alter schon ein durchaus brauchbares Englisch spricht. Sie wollten alles wissen, und ob ich alleine reise/bin, und was ich noch vor habe usw. Fortan hat Sophia versucht, simultan für mich zu übersetzen (ich konnte nur eine spanischgeführte Tour bekommen), großartig. Es dauerte vielleicht 10 Minuten, dann hat mich die Familie eingeladen, mit ihnen in Lima zu essen, wenn ich da bin. Erst wollten sie mich noch vom Flughafen abholen, wenn ich von Trujillo komme, aber das wird spät sein und ich muss am nächsten Tag früh raus zu meinem Touristenzug ins Hochland. Somit bestanden sie drauf, dass wir uns treffen, wenn ich dann zurückkomme, denn dann habe ich 4 Übernachtungen in Lima. Telefonnummern sind schon ausgetauscht. Ich konnte aber grade noch verhindern, dass sie mich zum essen von gegrilltem Herz am Spieß mit Fritten einladen, Sophia ist sehr internetaffin und hat mir gleich Bilder von dem Essen gezeigt, dessen Name ich nicht verstand. Man muss halt Höflichkeit, eine Einladung anzunehmen, mit etwas Geradlinigkeit verbinden, dann kann man auch unangenehme Dinge abwenden, ohne jemand zu verletzen. Mal sehen, ob es mir gelungen ist, vielleicht gehen sie ja nicht ans Telefon, wenn ich sie dann aus Lima anrufe…:-)
Und vorher auf der Plaza waren mir schon zwei Männer aufgefallen in einer für mich seltsamen Konstellation. Der eine offensichtlich Peruaner, ca Mitte Ende dreißig, aber sehr europäisch modern gekleidet, der andere ein großer blasser weißer Mann in den Mittfünfzigern mit Strohut. Die liefen so nebenher, dass ich mir vorstellte, dass es ein reicher Europäer ist mit einem privaten Tourguide. Ganz falsch lag ich sogar nicht. Die beiden waren nämlich dann witzigerweise auch im selben Bus, und als ich während der Tour einmal neben ihnen stand, hörte ich sie Deutsch sprechen. Ich sprach sie an..ein Peruaner, der in Berlin lebt, ein Norweger, der in Oslo lebt. Warum sie Deutsch sprächen, fragte ich sie. Sie haben sich in Berlin kennengelernt und dort immer Deutsch gesprochen. Tja, und mehr brauche ich ja dazu nichtzu sagen. Im Verlauf der beiden nächsten Stunden erzählten sie mir, dass sie schon mehrfach in Peru waren, denn der Peruaner ist aus Cajamarca. Und wie wichtig Nordperu für die peruanische Kultur sei. Sie seien jetzt auch knappe 3 Wochen gereist, einmal unterbrochen von Montezumas Rache… Jedenfalls hatten sie nichts dagegen, dass ich mich im folgenden etwas näher bei ihnen aufhielt, weil der Peruaner immer schön für seinen Partner übersetzte. Sophia’s Simultanversuche waren löblich, aber natürlich nicht ausreichend. Am Tourende verabschiedeten sie sich, der Norweger fliegt heute nach Hause und der Peruaner bleibt noch eine Woche bei seiner Familie.
Heute morgen verließ ich dann mein 3 Sterne Hotel (hier würde man 2 geben, einfach, aber wieder sehr sauber, das Zimmer mal nicht am Treppenhaus(!) Gelegen und mit einem wunderschönen Innenhof ausgestaltet), nicht bevor ich beim Frühstück noch eine Psychologin aus Lima kennenlernen durfte, die sehr gut Englisch sprach und gerade dienstlich reist. Wir haben uns ausgetauscht über den Mut, allein zu reisen, über die Vorteile, es nicht alleine zu tun, aber auch über die Vorteile, es doch alleine zu tun. Sehr anregend, wahnsinnig nett und einfach angenehm. So wie auch die Damen, die das El Cumbe Inn führen, aus dem ich heute abgereist bin.
Jetzt freue ich mich auf 3 Nächte in Trujillo, da kann ich mal ordentlich waschen (lassen) und es etwas langsamer angehen. Mit dem aus- und einpacken komme ich so langsam in eine guten Rhythmus und werde besser organisiert, was wo im großen Rucksack am besten platziert ist.
Es wartet mit Chan Chan bei Trujillo eine große Ausgrabungsstädte auf mich. Trujillo ist eine alte Kolonialstadt mit ca 700.000 Einwohnern und weiteren interessanten Museen, wenn ich es richtig gesehen habe.
Was für ein spannender Tag.
Meerschweinchen habe ich noch nicht gegessen, obwohl Claire insistiert:-) aber ein gegrilltes ‚cuy‘ habe ich gestern in der Markthalle gesehen und fotografiert. Und das erste Llama habe ich heute morgen bei der Besteigung des Hügels mit der hl. Santa Maria an den dort befindlichen Marktständen getroffen. Das Foto hat mich soviel gekostet, wie das kleine Federmäppchen, das ich mir als Andenken gekauft habe. Jeweils 5 Sonnen. (Ich steige grade von Sohlen um auf Sonnen, gefällt mir besser).
Je nun, ich hoffe, es gelingt mir heute, mal ein paar mehr Fotos anzuhängen. Ich muss die vom Handy hochladen, und da braucht es zum einen Wlan und zum anderen mehr Erfahrung mit meiner App für diesen Blog.
Grade fährt mein Bus schon wieder fast auf Seelevel, schätze, noch 2 Stunden. Draußen sieht es jetzt links und rechts aus wie in Fuerteventura.
In diesem Sinne, machts gut und hasta luego..
